Einladung zum Folgetermin am 16. April
9. April 2020
five talks-01 01 – Quo vadis Anzeigenblattverlage?
20. April 2020

five talks-Interview mit Prof. Dr. Enzo Weber, Forschungsbereichsleiter IAB Institut

Digitale Transformation und Zukunft der Arbeit

five talks: Auf der BVDA Frühjahrstagung stand auf der Agenda: Arbeitsrecht und digitale Transformation. Wie ist denn der aktuelle Stand der Dinge, gibt es künftig weniger Jobs und worauf müssen sich Unternehmen und Verlage einstellen?
Prof. Dr. Enzo Weber: Es gibt über alle Unternehmensbereiche hinweg die Debatte, ob und wie viele Arbeitsplätze durch die Digitalisierung verloren gehen. Auf Basis unserer Forschungen und gesamtwirtschaftlichen Studien gehen wir jedoch nicht davon aus, dass sich die Zahl der Arbeitsplätze reduziert, der Beschäftigungsstand ergo auch in Zukunft hoch bleibt – wenn die Folgen der Corona-Krise überstanden sind. Es wird jedoch massive Veränderungen geben, die – auch von Anzeigenblatt-Verlagen – gemeistert werden müssen. Jobs verschwinden, andere entstehen. Noch wichtiger, und hier gilt es seitens Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sich frühzeitig auf die neue Situation einzustellen, ist, dass sich die Aufgaben und die dazu benötigten Kompetenzen deutlich verändern.

Welche Kompetenzen sind denn künftig gefragt?
Prof. Weber: Es geht deutlich mehr in Richtung allgemeineren Kompetenzen, eher weg vom spezifischen Fachwissen hin zu Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, abstraktes Denken, Kreativität, Lernfähigkeit und Denken in Prozessen. Eben Kompetenzen, die dazu befähigen, komplexe Abläufe und interdisziplinäre Prozesse in Unternehmen mit einer möglichst großen Eigenverantwortung vernetzen, steuern und anstoßen zu können. Hinzu kommt die Bereitschaft, dass für den beruflichen Werdegang eines Arbeitnehmers eine deutlich höhere Flexibilität hinsichtlich der Einsatzbereiche erforderlich ist, die Inhalte der Arbeit wechseln schneller.
Die Erledigung von Routinearbeiten mit klaren Mustern und Prozessen hat dagegen eine weniger lukrative Zukunft und wird stärker automatisiert.

Das dürfte die Geisteswissenschaftler erfreuen. Abgesehen vom Arbeitnehmer, was muss das Management ändern, um die geeigneten Voraussetzungen für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen?
Prof. Weber: Geisteswissenschaftler werden aufgrund ihrer oft eher übergreifenden Ausbildung in Zukunft tendenziell stärker gefragt sein als bisher, das stimmt. Zu der Frage, was sich das Management unter das Kopfkissen legen sollte: Ganz oben auf der Liste steht die Weiterbildungspolitik. Das Management muss dafür sorgen, dass mehr in die Personalentwicklung und Ausbildung ihrer bestehenden Belegschaft investiert wird, um diese basierend auf den wichtigen Erfahrungen mit und im Unternehmen permanent fit zu machen. Die Erstausbildung der Mitarbeiter wird daher nicht mehr ausreichen, die Aufgaben der Zukunft erfolgreich zu bewältigen. Es ist kein Selbstläufer, eine substanzielle Erweiterung der Kompetenzen in Gang zu setzen.

„Die Weiterbildungspolitik in den Unternehmen und Verlagen ist entscheidend!“Prof. Dr. Enzo Weber

Was damit zu einer völlig neuen Vorgehensweise auf dem gesamten Arbeitsmarkt führt – eben auch für Anzeigenblatt-Verlage und deren Dienstleister …
Prof. Weber: … Digitalisierung kann auch den Arbeitsmarkt vollständig digitalisieren, was ja auch Verlage betrifft. Da entwickeln sich Trends wie Crowdworking und Plattformen, über die Aufträge abgewickelt werden. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. So effizient diese Entwicklung auch sein mag, die soziale Absicherung in diesen Jobs ist zumindest derzeit extrem lückenhaft. Mein Vorschlag dazu ist das Konzept der Digitalen Sozialen Sicherung. Diese macht sich die Digitalisierung zunutze, indem auch diese Absicherung vollständig digital abgewickelt werden könnte. Die Beiträge zur sozialen Sicherung könnten automatisch direkt von den entsprechenden Plattformen abgeführt werden und so im Sozialversicherungssystem landen. Das wäre ein logischer Schritt.

Eine Frage zum Thema Coronavirus und ein Blick in die Kristallkugel: Wie stark wird Corona unsere Volkswirtschaft lahmlegen?
Prof. Weber: Die Effekte sind massiv, eine deutliche Verschlechterung der Beschäftigtenzahlen ist unvermeidbar. Unser Arbeitsmarkt ist an sich aber sehr robust, daher erwarte ich auch keinen Sturz ins Bodenlose. Entscheidend sind die Stützungsmaßnahmen, um bestehende Jobs zu erhalten. Aber um aus der Krise zu kommen, sind neue Jobs genauso wichtig: Wir brauchen auch einen Rettungsschirm für Neueinstellungen!

Für alle Branchenkolleginnen und -Kollegen veröffentlicht HUP ab sofort das Interview-Magazin FIVE TALKS mit spannenden Interviewpartnern.
Unser Redaktionsteam stellt 5 Fragen an
5 Entscheider. Anlass sind aktuelle Themen, Messen und News aus der Medienbranche.

Anfang April hätte sich die Branche auf der – aufgrund des Coronavirus abgesagten –
BVDA Frühjahrstagung getroffen.

In FIVE TALKS #1 geht es daher um die Zukunft der Anzeigenblattverlage.

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