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„Arbeit 4.0“ – zwischen Erlösdruck und Work-Life-Balance

Ein Interview mit Arno Nix, Vorstand der HUP AG, über Softwarelösungen als technische Basis für Arbeit 4.0

Lieber Herr Nix, haben Sie heute schon geweint?
Arno Nix: Ähm, warum sollte ich?

Arbeit 4.0 mag eine Frage der Unternehmenskultur sein, der damit einher gehende steigende Bedarf an der Digitalisierung von Arbeitsprozessen muss Ihnen doch Freudentränen ins Gesicht zaubern.
Ach so, nun, lassen Sie es mich so ausdrücken: Wir weinen zumindest nicht den alten Zeiten hinterher, auch wenn die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dem wachsenden Bedarf an moderner Software leider noch nicht entspricht.

Wie wird sich das Geschäft für Software-Entwickler gestalten? Entpuppt sich Arbeit 4.0 als ein Impulstreiber?
Ich glaube schon, auch wenn das Software-Geschäft immer kleinteiliger, individueller und – was ja im Grunde auch gut ist – bedarfsgerechter wird. Wir haben uns früh auf die Trends eingestellt und erfreulicherweise ein hervorragendes Software-Portfolio als eine wichtige Basis für die kommenden Jahre. Arbeit 4.0 ist auf Produktebene eine perfekte Prozesserweiterung beispielsweise für unsere Portal-Solutions. Wir können in Redaktionen, Buchhaltungen, im Marketing, im Vertrieb und in der Logistik Lösungen bieten, die die zunehmend geforderten flexiblem Arbeitszeitmodelle nachhaltig positiv unterstützen. Und somit die Bindung an den Arbeitgeber mit allen positiven Auswirkungen, die auch wirtschaftlich damit verbunden sind. Lösungen, um Arbeit 4.0 eine solide Basis zu geben, sind PS.Content, PS.Delivery, die Newsreader-APP, die elektronische Personalakte ePA und unsere brandneue PS CallCenter. Alle zufällig aus unserem Hause. Ergo: Es lohnt sich, jetzt in die optimale Software zu investieren, die mit agilen Methoden entwickelt wurde, um auch bei weiteren Marktveränderung anpassungsfähig zu bleiben, und – ganz wichtig -, um sich beim War for Talents behaupten zu können.

Im Zuge der Arbeit 4.0-Interviews fiel immer wieder das Buzzword KI. Sie sind der Technikvorstand der HUP AG: bitte jubeln Sie jetzt!
Ich muss Sie enttäuschen. KI ist die Zukunft, wird aber zumindest nicht von uns und ich vermute auch nicht von unseren Marktbegleitern entwickelt. Selbstverständlich sind unsere Produkte, ich nenne das jetzt mal ganz einfach KI-fähig. Das bedeutet, wir nutzen die Technologie und Frameworks und können KI damit auch zur Verfügung stellen. Aber in der reinen Entwicklung ist KI als eigenständiges Produkt kein Potenzial für uns. Das müssen wir mit allen Vor- und Nachteilen Unternehmen wie IBM, Apple und Forschungsinstituten überlassen, da uns die finanziellen Möglichkeiten und die Ressourcen fehlen.

Bei zahlreichen Verlagen spielt KI jedoch eine wachsende Rolle …
… was unbestritten ist. Aber das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen.

Inwiefern wird KI dann die Arbeit und den Arbeitsplatz in naher Zukunft bestimmen?
Das Wort „bestimmen“ ist mir zu forsch formuliert. KI macht Sinn, kurzfristig sehen ich jedoch noch kein breites Potenzial. Aus meiner Sicht sind Verlage noch nicht in der Lage, die Ergebnisse aus den KI-Prozessen valide analysieren zu können. Das ist überhaupt nicht böse gemeint. KI setzt einfach voraus, dass für eine relevante Datenanalyse ein sehr großer Input vorhanden sein muss. Sonst fällt es mehr als schwer, Muster zu entwickeln. Gemeinsame Auftritte in Social-Media-Kanälen beispielsweise wären eine kumulierte Lösung dafür, um für die Branche daraus zu lernen. Das würde jedoch bedeuten, dass man sich öffnen müsste. Mein Eindruck ist, dass trotz vieler Gespräche untereinander dann doch viele Verlage noch auf ihrer eigenen Insel sitzen. Wir versuchen, den Dialog und die gemeinsame Kompetenzverschmelzung mit unseren Kunden-Scrumbles zu forcieren, was auch immer besser gelingt. Die Integration der Stakeholder dabei ist ein zentraler Bestandteil.

Was passiert in einem Kunden-Scrumble Marke HUP AG?
Zunächst dürfen wir für uns in Anspruch nehmen, moderne Entwicklungsszenarien bei Kunden-Scrumbles etabliert zu haben. Uns war schon vor der ganzen Mind-Set-Diskussion, die in Arbeit 4.0 mündet, bewusst, dass vor allem die Entwickler nicht nur reaktiv tätig sein können. Die Lösung, die die Komplexität aus Erwartungen, Systemabhängigkeiten, individuellen Anforderungen und Erfahrungen in der Praxis beherrscht und im Arbeitsalltag eine echte Verbesserung bringt, kann nur in der Bündelung von Kompetenzen entstehen. Daher laden wir unsere Kunden, da sitzen dann durchaus auch Mitbewerber am Tisch, dazu ein, ihre Anforderungen bei der Software-Entwicklung in Workshops sowie Vor- und Nachbereitungen direkt mit unserem Team zu matchen. Die effiziente Netzwerk-Idee auf Basis der Methodik und dem Vorgehen von Scrum haben wir Kunden-Scrumbles genannt. Unsere Entwickler-Teams setzen die gemeinsam definierten User-Stories auf Produktebene um.

Das Thema Vertrauen spielt bei Arbeit 4.0 eine große Rolle. Und jetzt vertrauen sich auch noch alle Mitbewerber und Kunden der Verlags- und Softwarebranche. Gibt es doch noch Hoffnung für die Menschheit?
Eine positive Grundeinstellung mag ja bereits unmodern geworden zu sein. Es gibt einen wichtigen Satz, der die Richtung bestimmt: Die Bereitschaft zu teilen, damit andere lernen können. Genau das beherzigen alle Kunden-Scrumble-Teilnehmer und die Ergebnisse sind richtungsweisend. Es profitieren alle Kunden und wir von einer Steigerung der Produktivität, Entwicklungsgeschwindigkeit und Transparenz.

Heißt konkret was?
Mehr Praxisnähe, Mobilität, Plattformunabhängigkeit und das system- und verlagsübergreifend. Das ist, um beim Schwerpunktthema dieses Magazins zu bleiben, auch die technische Basis für eine erfolgreiche Arbeit 4.0-Implementierung – wie gesagt, zusätzlich zu den großen Herausforderungen, was die Veränderung der Unternehmenskultur angeht. Daher ist Arbeit 4.0 auch zunächst keine Frage der technischen Innovation.

Klingt jetzt schon ein wenig wie ein Bewerbungsaufruf, Herr Nix!
Und das soll es auch sein. Liebe Kunden, Marktbegleiter, Start-ups, Verlage, melden Sie sich bei uns und seien Sie ein Teil des Ganzen. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Sie als Entscheider sind herzlich eingeladen. Das zahlt auch auf Arbeit 4.0 ein: In agilen Teams Werte entwickeln und nachhaltig steigern. Die entstehenden Zwischenergebnisse aus den Präsenztreffen werden regelmäßig gesichtet, ggf. aktualisiert und diskutiert. So können alle Teilnehmer die Fortschritte mitverfolgen und weiter feinjustieren. Am Ende eines Kunden-Scrumbles steht ein zukunftssicheres Gesamtprodukt. Aktuell laufen Kunden-Scrumbles für unsere Produkte PS.Content, PS.Delivery, PS.CRM, die elektronische Personalakte comet ePA und Unity. Hier arbeiten wir mit unserem Mitbewerber alfa Media zusammen, der seinen Kunden unsere Abo & Vertriebslösungen empfiehlt.

Zum Schluss die Frage, wie die HUP AG das Thema Arbeit 4.0 im eigenen Haus umsetzt? Bei insgesamt sechs Standorten ist das sicher eine zentrale Herausforderung.
Wir stecken selbst mitten im Umbruchprozess und entwickeln für uns das Flex-Office permanent weiter. Mittlerweile arbeiten fast die Hälfte unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zu Hause aus oder sind zumindest nicht laufend im klassischen HUP-Office tätig. Wir müssen alle lernen und umdenken, in Teams agieren, mutiger werden und uns vor allem durch den Service vom Mitbewerber unterscheiden.

Herr Nix, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Telefon:
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E-Mail:
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Am Alten Bahnhof 4B,
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